Was bedeutet Futureship? Jutta Allmendinger bei den ‚Darmstädter Gesprächen‘

Mein Besuch bei den Darmstädter Gesprächen
Darmstädter Gespräche mit Jutta Allmendinger, Thomas von Steinaecker und Rolf Densing.

Die ‚Darmstädter Gespräche‘ des Staatstheaters Darmstadt wollten in der Spielzeit 2016/17 nach eigener Aussage „einen Gesprächsraum eröffnen, in dem über unsere gemeinsamen Grundwerte und die Ausgestaltung unserer Zukunft diskutiert wird“. Das scheint dieser Tage dringend geboten.

Über Zukunft und Zukunftsfähigkeit haben an diesem Sonntagvormittag die Soziologin Jutta Allmendinger (für mich ursprünglich ‚Zugpferd‘ der Veranstaltung), der Autor, Journalist und Regisseur Thomas von Steinaecker und der Leiter des Darmstädter Raumfahrt-Kontrollzentrums (ESOC), Rolf Densing, gesprochen.

Moderatorin Insa Wilke eröffnete die Gesprächsrunde mit der Frage: „Wie sehen Sie gerade in die Zukunft?“. Wir erfuhren, dass Jutta Allmendinger den Blick „mit großer Spannung“ in die Zukunft richtet, international betrachtet aber „mit Nervosität“. Rolf Densing sah, nach einem Seitenhieb auf die gestrige, ebenfalls wenig erbauliche, Torsituation am ‚Bölle‘ [1:6 aus Sicht des SVD, Anm. d. Verf.], mit Nahrungsmittelknappheit und Erderwärmung auch nicht eben rosige Zeiten auf uns zukommen. Und Thomas von Steinaecker bezeichnete seine Grundstimmung ohne Umschweife als eine „sehr schlechte“, denn es sei eine „Zeit der schwarzen Propheten“.
Überrascht stellte Allmendinger daraufhin fest, dass sie ausnahmsweise mal die Optimistischste in einer Runde sei.

Das anschließende Thema ‚Dystopien‘ war denn auch nur konsequent. Irgendwie vermittelte von Steinaecker zu Beginn bereits durch seine Körperhaltung den Eindruck, als sei das Dystopische längst unter uns und überhaupt ohnehin alles zu spät (was in seinem post-apokalyptischen Buch ‚Die Verteidigung des Paradieses‘ schließlich auch der Fall ist). Trotzdem, das spürte man, scheint er zu hoffen, dass es anders kommt – und man hofft es mit ihm! Narrativ jedoch, so von Steinaecker, gäbe die Dystopie einfach mehr her als die Utopie, denn „vollkommene Glückseligkeit ist vollkommene Monotonie“.

Jutta Allmendinger griff, nachdem von Steinaecker einige Minuten aus seinem Werk vorgelesen hatte, die Erzählstränge ‚Abschottung‘ und ‚Erinnerung‘ auf und bestätigte aus ihrer soziologischen Erfahrung heraus die Wichtigkeit des Konservierens von Erinnerung. Das habe auch ihre ‚Vermächtnisstudie‘ gezeigt, die u. a. der Frage nachging, welche sinnlichen Eindrücke wir als Schatz mit in die Zukunft nehmen möchten.

Bei der ESOC wiederum bereitet man sich eher praktischer Natur auf die Zukunft vor, bspw. durch das Beobachten von Asteroiden, von denen, so Densing, sich ständig welche zwischen Erde und Mond aufhielten, die man trotz Beobachtung vorher nicht auf dem Schirm hatte. Wenn aber einer von ihnen dazu bestimmt sei auf der Erde einzuschlagen, könne man aktuell ohnehin nichts ausrichten, man könne nur „beobachten wie die Ornithologen“. Das war nicht nur für Jutta Allmendinger eine beängstigende Erkenntnis…

Die Authentizität von Steinaeckers („Ich brauche ein Narrativ“), die Praxisnähe Densings („Wissen Sie, ich bin Rheinländer“) und die soziologische Professionalität Allmendingers („Deutschland ist, was die Erwerbsarbeit betrifft, regungslos“) haben meinen Vormittag durchaus bereichert. Vermutlich lese ich demnächst mal ‚Die Verteidigung des Paradieses‘. An einem guten Tag, wenn ich mich in der Lage fühle, das Dystopische im Gepäck dieses Zukunftsromans zu (er)tragen. Denn momentan ist es bereits Herausforderung genug, die Gegenwart auszuhalten.

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