Phänomenologische Soziologie

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Die phänomenologische Soziologie fragt:

Wie erfahren Menschen die Welt der Phänomene (soziale Wirklichkeit) in der sie leben?

Wie gehen sie mit dieser Wirklichkeit um und wie erleben sie ihre Lebenswelt?

Ziele

  • Aufdecken struktureller Bedingungen des Denkens und Handelns von Menschen
  • Reflexion in Gang setzen  Weg zu rationalem Handeln

Grundgedanken

  • Phänomene erhalten ihren Sinn erst, indem ein Individuum über sie denkend verfügt
  • Erst durch Interpretation, Einordnung und Rahmung bestimmter Phänomene  wird ein sinnvoller Zusammenhang hergestellt
    Schaffen einer individuellen Wirklichkeit durch die Verbindung von aktuellen Phänomenen mit vergangenen Erlebnissen (gemeinter Sinn)
  • Wirklichkeit ist für den einen dieses, für den anderen jenes
  • Die soziale Wirklichkeit  (Wirklichkeit in Bezug auf das Handeln mit anderen) wird also konstruiert (oft unbewusst)
  • Die alltägliche Lebenswelt ist die Wirklichkeit des Menschen, innerhalb derer er unausweichlich teilnimmt, die er durch Eingreifen verändern kann, in der er aber auch durch Ereignisse und die Handlungsergebnisse der anderen beschränkt wird
  • Schütz interessiert sich für die Strukturen dieser Lebenswelten
  • Das Handeln in der Lebenswelt ist durchgängig von pragmatischen Motiven bestimmt (Lösen von Problemen des praktischen Lebensvollzugs)

„Unter alltäglicher Lebenswelt soll jener Wirklichkeitsbereich
verstanden werden, den der wache und normale Erwachsene in der Einstellung des gesunden Menschenverstandes als schlicht gegeben vorfindet.“

{Schütz 1979 #5}

Soziales Handeln ist der sinnhafte Aufbau einer gemeinsamen Wirklichkeit.“

{Abels 2016 #1}

Die Phänomenologie des Philosophen Edmund Husserl, die Zeitphilosophie von Henri Bergson und die verstehende Soziologie von Max Weber waren die Haupteinflüsse für die Theorie der Lebenswelt des Philosophen und Soziologen Alfred Schütz. Die phänomenologische Soziologie ist eine interpretative Soziologie.

Mehr über Thesen und Werk von Alfred Schütz:  https://de.wikibooks.org/wiki/Soziologische_Klassiker/_Sch%C3%BCtz,_Alfred

Literatur

Abels, H., 2016: Wissen und andere Definitionen der Wirklichkeit – Über uns und Andere, Fremde und Vorurteile. Studienbrief 03165-4-01-S1. Hagen: FernUniversität.

Legewie, H., o.J.: Hermeneutische Diagnostik – 3. Vorlesung: Die alltägliche Lebenswelt. http://www.ztg.tu-berlin.de/download/legewie/Dokumente/Vorlesung_3.pdf (29.9.2017).
Schütz, A. & T. Luckmann, 1979: Strukturen der Lebenswelt. Frankfurt am Main: Suhrkamp.

Wikibooks (Sammlung freier Lehr-, Sach- und Fachbücher), 2017: Soziologische Klassiker/ Schütz, Alfred. https://de.wikibooks.org/wiki/Soziologische_Klassiker/_Sch%C3%BCtz,_Alfred (29.9.2017).